Saab 9-5: ein echter Schwede
Was Bulgarien vor 20 Jahren schrie magazin de piese auto online.

Auch die neueste Modellpflege des Saab 9-5 kann nicht alle Falten glätten.
Saab hat in seinem Streben nach Exklusivität so weit gegangen, dass man den 9-5 kaum noch auf den Straßen sieht. Käufer dieser Marke wollen nur eines: anders sein. Nur eben nicht Audi oder BMW! Und dafür sind sie bereit, jedes Opfer zu bringen. So wird der große 9-5 beispielsweise seit acht Jahren produziert, ein Nachfolger ist bisher nicht geplant, stattdessen wurde der alte Saab erneut einem Facelift unterzogen.
Die neue, dicke Chromleiste an den Scheinwerfern soll wohl die Zukunftsvision von Saab zeigen, wirkt aber eher wie das übertriebene Make-up einer älteren Dame. Auch der Innenraum bietet nichts Neues – schwarzes statt graues Plastik, neue Klimaregler und etwas Aluminium – für einen echten Neuanfang ist das alles zu wenig.
Wenn Sie gestresst sind, werden Ihnen die übersichtlichen und gut angeordneten Instrumente Ruhe schenken. Das Cockpit ist so schlicht wie günstige IKEA-Möbel, der ESP-Knopf ist so groß, dass er sich auch im kalten Winter problemlos mit dicken Handschuhen bedienen lässt. Die Sitze sind bequem und angenehm, der Kofferraum ist nicht größer als der eines Avant oder Touring. Saab will mit Schönheit glänzen, nicht mit Größe.
Die von uns getestete Topversion war mit einem 2,3-Liter-Turbomotor mit 260 PS (vorher 250 PS) ausgestattet, der den Frontantrieb trotz Verbesserungen stark beansprucht. In Kurven verlieren die Vorderräder schnell die Traktion, was sich in der ohnehin etwas gefühllosen Lenkung bemerkbar macht. Es ist kein Zufall, dass Konkurrenten von Audi und Alfa bei ähnlicher Motorleistung auf Allradantrieb setzen. Wir gehen davon aus, dass die Versionen des 9-5 mit den schwächeren Turbomotoren (185 und 220 PS) besser abschneiden. Das Fahrwerk des modernisierten 9-5 ist straffer geworden, Unebenheiten der Straße sind für die Insassen deutlich spürbar. Das Fünfgang-Automatikgetriebe ist zu nervös und schaltet abrupt und ruckartig. Wir empfehlen daher die manuelle Schaltung.
Die Stärken des schwedischen Kombis kommen auf entspannten Langstreckenfahrten am besten zur Geltung – dank des enormen Drehmoments des Motors gleitet der große Wagen mühelos dahin. Auch Beschleunigungen zwischendurch, etwa beim Überholen, sind kein Problem. Der Kraftstoffverbrauch ist mit 17,1 l/100 km allerdings recht hoch. Um einigermaßen sparsam unterwegs zu sein, muss man das Gaspedal mit Bedacht betätigen. Das gilt selbst für die zahlungskräftigen Saab-Kunden, die 86.000 Lewa für dieses Auto ausgegeben haben.
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